Irgendwann zwischen 660 und 680 n. Chr. wurde in einem ehemaligen römischen Gebäude bei Mattsies im Unterallgäu eine Grabkammer aus Steinplatten zur Bestattung eines 1,5-jährigen Knaben errichtet. Anschließend wurde diese Kammer mit Mörtel dicht verschlossen, und die römische Ruine mindestens zweimal neu überdacht.
Bei ihrer Wiederentdeckung im Jahr 2021 wiesen die Beigaben im Inneren der Grabkammer eine bemerkenswerte Erhaltung auf, einschließlich Resten von Textilien und Leder. Für eine ungestörte Bergung wurde der gesamte Inhalt der Grabkammer daher mit einer Eisschicht fixiert und im Block geborgen. Dies ermöglichte eine präzise Dokumentation und Analyse der Reste unter Laborbedingungen und erlaubte außergewöhnliche Rekonstruktionen. Die Anordnung der Objekte sowie die Abfolge textiler, lederner und hölzerner Schichten ermöglichen es, Teile der Bekleidung und den Aufbau der Beigaben nachzuvollziehen.
Der hohe soziale Status der Familie des Beigesetzten wird nicht nur durch Goldbeschläge, Silberarmringe und silberne Sporen, sondern auch durch Reste von Seidenbesätzen auf der Bekleidung belegt. Die Beobachtungen in Mattsies zeigen, wie sich eine herausgehobene Schicht in der späten Merowingerzeit durch Bestattung und die Gestaltung eines Gebäudes zum Totengedenken dargestellt hat.
Die Dauerausstellung des kelten römer museums ist am 28.01.2026 bis zum Beginn des Vortrags geöffnet. Eine Anmeldung zur kostenfreien Veranstaltung ist nicht erforderlich.
Beginn 18:00 Uhr
Referent: Dr. Hubert Fehr (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Thierhaupten)